Ambient Assisted Living – Wollen wir das?

10. April 2017 Ambient Assisted Living

Ethische Aspekte bei der Anwendung von AAL-Systemen

Zugegeben, in meinen über dreißig Jahren in der IT-Branche, davon über 10 Jahre bei Hardwareherstellern, ist mir die Frage, ob IT-Produkte ethisch sinnvoll sind, eigentlich nie gestellt worden. Das passt einfach nicht zu dieser Branche. IT ist modern, cool und innovativ, das muss einfach gut sein! Und wenn jemand meint, er braucht so etwas nicht, dann ist er entweder von gestern oder hat nur noch nicht verstanden, was unsere Produkte können.

Aber Spaß beiseite: Natürlich ist die Frage durchaus berechtigt, gerade im Bereich Gesundheit, denken wir nur an Pflegeunterstützung, Heimbetreuung oder Telemedizin. Wer stellt sich bei einem kurzen Rollenwechsel zu der Perspektive einer betroffenen Person nicht die Frage, was da mit der betreuten Person eigentlich geschieht, welche Daten über das intimste Privatleben automatisch gesammelt, zwischen verschiedensten Institutionen ausgetauscht und von wildfremden Leuten verarbeitet werden? Und erst die Frage der Autonomie: Wer bestimmt, ob und wie z.B. das Leben eines dementen Menschen überwacht wird, welche Daten gesammelt und ausgewertet werden, und von wem diese verarbeitet/weitergegeben werden? Der Betroffene? Die Angehörigen? Der Hausarzt?

Diese Fragen sollten und müssen sich Anbieter von Produkten und Services im Bereich AAL (Ambient Assisted Living – Altersgerechte Assistenzsysteme für ein selbstbestimmtes Leben) stellen. Das hat auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung erkannt und 2012 im Rahmen eines 45 Mio. EUR schweres Forschungsprogramms zum Thema AAL auch eine Begleitstudie unter dem Titel „Ethische Fragen im Bereich Altersgerechter Assistenzsysteme“ in Auftrag gegeben (»Ethische Fragen im Bereich Altersgerechter Assistenzsysteme« (PDF)). Quelle: www.ttn-institut.de/bericht-aal

Diese Begleitstudie analysiert sehr gut die grundlegenden ethischen Fragestellungen, und sie entwickelt das Modell MEESTAR („Modell zur Ethischen Evaluation Sozio-Technischer ARrangements“) zur Untersuchung und Bewertung eines konkreten Assistenzsystems oder AAL-Services hinsichtlich ethischer Fragen.

PureSec hat das MEESTAR-Modell bereits erfolgreich in konkreten Situationen angewandt. Zur Auswertung und Dokumentation der Ergebnisse wird eine Excel-Vorlage verwendet. Diese PureSec-Vorlage darf gerne weiterverwendet werden. Sie kann unter dem folgenden Link heruntergeladen werden:
Vorlage_Ethische_Evaluation_MEESTAR-Modell.xlsx

Hinweis: In den Tabellenblättern ist zur einfachen Verwendung ein Blattschutz aktiviert. Die Eingabefelder sind weiß hinterlegt. Die Auswertung erfolgt nach dem Maximumprinzip.

Helmut Honermann